Politik trifft Kirche

Veröffentlicht am 21.12.2009 in Veranstaltungen

Pastor Röcker und Tobias Frommann (v.l.n.r.)

Mitglieder des SPD-Ortsvereins diskutieren mit Vertretern der Methodistischen Kirche

Fast schon traditionell sucht die Freudenstädter SPD in der Adventszeit die Nähe zu einer kirchlichen Einrichtung. Am Freitag trafen sich die Genossen mit Pastor Wilfried Röcker sowie weiteren Mitgliedern der methodistischen Kirche und diskutierten über die Bedeutung des Weihnachtsfestes in der heutigen Zeit.

Während manch andere Veranstaltung am Freitag unter dem schlechten Wetter zu leiden hatte, konnte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Tobias Frommann durchaus zufrieden sein- gut 40 Personen waren in die Evangelisch-Methodistische Kirche gekommen und dokumentierten damit ihr Interesse am Thema.

Frommann selbst sprach in seinen einleitenden Worten über die Bedeutung und den Ursprung des Weihnachtsfestes. Jeder zehnte Bundesbürger wisse laut einer Stern-Umfrage nichts über die Bedeutung des christlichen Festes, gab er zu Bedenken. Mehr und mehr würde diese Bedeutung auch durch exzessives Konsumverhalten zurückgedrängt. Schon Ende August könne man Weihnachtsartikel kaufen, anstatt einer Zeit der Besinnung gerate man heute bei der Vorbereitung des Festes fast schon in Panik. Weihnachtsdeko, Plätzchen, Gänsebraten und Geschenke- „selten bleibt da Platz für eine ruhige Minute bei schöner Musik und Kerzenschein“, so Frommann.
Gerade die jüngere Generation verbinde mit dem Fest vor allem Ferien, Skifahren und Geschenke. Da diese auch immer kostspieliger würden, verliere sich bei den jungen Leuten zwangsläufig die Fähigkeit, sich über kleinere Dinge zu freuen. „Die Kommerzialisierung macht auch vor dem Weihnachtsfest nicht halt.“ Frommann forderte dazu auf, das Weihnachtsfest wieder als Fest der Familie zu verstehen. Für ihn gehöre in diesem Zusammenhang dazu, sich über Werte , soziale Themen und Nächstenliebe zu unterhalten.

Pastor Wilfried Röcker erinnerte an die Anfänge und Überzeugungen der Evangelich-Methodistischen Kirche. Insbesondere der anglikanische Priester John Wesley habe seinerzeit so deutliche Akzente gesetzt, dass diese bis heute für die Methodisten von Bedeutung seien. Die Überzeugung von der allgemeinen Gnade Gottes- bedingungslos und ohne Vorleistung- gehöre ebenso dazu wie die Ökumene und der missionarische Gedanke. Mehr und mehr habe sich Wesley im Laufe seines Lebens auch der Arbeiterklasse zugewandt- und auf diese Weise die Auseinandersetzung mit anderen Pfarrern jener Zeit heraufbeschworen.

Der Schutz der Arbeiterschaft vor Gefahren und Berufskrankheiten, die Abschaffung der Kinderarbeit und Arbeitszeitverkürzungen- um nur einige Beispiele zu nennen- sind Forderungen, die teilweise auch im Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten ihren Niederschlag gefunden haben. Der seinerzeit geforderte „ausreichende Lohn in allen Industriezweigen“ korrespondiere mit der Forderung der SPD nach Mindestlöhnen, wurde festgestellt.

In einer angeregten Diskussion wurden die Gemeinsamkeiten und das Thema des Abends anschließend aufgearbeitet. Zur Auflockerung wurde zwischendurch gemeinsam gesungen- „ die erste Gemeinsamkeit zwischen den SPDlern und den Methodisten“, so Pastor Röcker- und gemeinsam gegessen. In zwangloser Atmosphäre bot sich zwischen den Kirchenleuten und den Sozialdemokraten dabei die Gelegenheit, sich gegenseitig noch besser kennen zu lernen.

(Monika Schwarz, erschienen in Neckar-Chronik 21.12.09)

 

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